
IGeL-Leistungen: sinnvoll oder Abzocke? Der Überblick | diebestekasse.de
Die Kasse zahlt nicht, der Arzt verkauft: Was IGeL sind, welche wirklich helfen und wie du dich nicht überrumpeln lässt.

Agon Ramadani
IGeL-Leistungen: sinnvoll oder Abzocke?
Kurz gesagt: IGeL sind Individuelle Gesundheitsleistungen, die die gesetzliche Krankenkasse nicht zahlt und die dir die Arztpraxis privat in Rechnung stellt. Der Haken: Bei vielen ist der Nutzen wissenschaftlich nicht belegt. Von 55 vom IGeL-Monitor bewerteten Leistungen bekam keine einzige die Note „positiv". Du musst keine IGeL annehmen – und solltest sie kritisch prüfen. So gehst du vor.
Was sind IGeL?
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Meist, weil ihr Nutzen nicht ausreichend belegt ist oder der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sie noch nicht bewertet hat. Du zahlst sie komplett selbst.
Typische IGeL sind zum Beispiel:
Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung
Ultraschall zur Krebsfrüherkennung (z. B. der Eierstöcke)
professionelle Zahnreinigung
zusätzliche Untersuchungen in der Schwangerschaft
bestimmte Blut- und Labortests
Wie sinnvoll sind IGeL wirklich?
Ernüchternd: Der IGeL-Monitor – ein wissenschaftlicher Dienst des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen – hat 55 IGeL bewertet. Keine einzige erhielt „positiv", nur zwei „tendenziell positiv". Für viele Leistungen ist unklar, ob sie wirklich helfen – manche können sogar mit Risiken verbunden sein (etwa Fehlalarme, die zu unnötigen Folgeuntersuchungen führen).
Das heißt nicht, dass jede IGeL sinnlos ist. Aber es lohnt sich, vor jeder Zusage zu prüfen, ob der Nutzen belegt ist.
Wichtig zu wissen: Deine Rechte
Der Wunsch muss von dir kommen – der Arzt darf dir nichts aufdrängen. Manche Praxen wollen, dass du schriftlich dokumentierst, dass du eine IGeL nicht möchtest. Solche Formulare musst du nicht unterschreiben. Und eine IGeL muss dir immer vorab schriftlich in einem Behandlungsvertrag angeboten werden – inklusive Preis. Lass dich nicht im Behandlungsstuhl unter Zeitdruck entscheiden.
So gehst du bei einem IGeL-Angebot vor
Nachfragen: Warum wird die Leistung empfohlen? Was passiert, wenn ich sie nicht mache?
Bedenkzeit nehmen: Du musst nicht sofort zusagen.
Nachschlagen: Der IGeL-Monitor bewertet die häufigsten Leistungen wissenschaftlich.
Ablehnen ist erlaubt: Deine reguläre Versorgung leidet dadurch nicht.
Manche Leistungen bezuschusst deine Kasse freiwillig
Interessant: Einige Angebote, die dir als IGeL verkauft werden, übernehmen manche Kassen ganz oder teilweise über ihre Satzung – etwa die professionelle Zahnreinigung oder bestimmte Vorsorge. Genau hier lohnt der Blick auf die Zusatzleistungen deiner Kasse. Prüf im Vergleichsrechner, welche Kasse solche Extras bietet.
Häufige Fragen
Muss ich eine IGeL annehmen?
Nein. IGeL sind freiwillig, müssen dir schriftlich mit Preis angeboten werden – du kannst jede ablehnen.
Sind IGeL medizinisch sinnvoll?
Bei vielen ist der Nutzen nicht belegt. Von 55 bewerteten IGeL erhielt keine die Note „positiv". Der IGeL-Monitor gibt eine wissenschaftliche Einschätzung.
Warum zahlt die Kasse IGeL nicht?
Weil ihr Nutzen nicht ausreichend nachgewiesen ist oder sie noch nicht bewertet wurden.
Gibt es IGeL, die meine Kasse doch übernimmt?
Ja, manche Kassen bezuschussen einzelne Leistungen freiwillig über ihre Satzung.
Quellen: IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst), Bundesgesundheitsministerium (IGeL), Finanztip (IGeL), Stiftung Gesundheitswissen
zuletzt geprüft: 07/2026, Redaktion

